Leseproben
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..............................1. Ewan - Im Bann der Magier
..................................- Zusammenfassung
..................................- Leseprobe
..............................2. Ewan - Schicksalswege
..................................- Zusammenfassung
..................................- Leseprobe
..............................3. Celine Maynard - Erwachen
..................................- Zusammenfassung
..................................- Leseprobe
...................................4. Goldener Vogel
..................................- Vorstellung
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1. Ewan - Im Bann der Magier
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Ewan, ein Knappe am Hofe des Königs, will Ritter werden. Eines Tages werden seine Freunde entführt und er bricht ohne lange zu überlegen zu ihrer Rettung auf.
Was er nicht weiß: Die Magier sind zurück! Vor 400 Jahren zogen sie bereits einmal mordend durch das Land Fargon, um den König zu stürzen. Es sind keine Menschen wie wir sie kennen, nein, sie beherrschen Magie! Um sie zu bekämpfen gibt es nur eine Möglichkeit: die vier Elementarsteine, in denen ebenfalls Magie innewohnt.
Ewan und seine Freunde treffen eine folgenschwere Entscheidung, als sie beschließen, sich auf die Suche nach den legendären Kleinoden zu machen...
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Am dritten Tag ihrer Reise auf dem Meer geschah etwas, womit keiner gerechnet hatte.
Ewan schrubbte verdrießlich das Deck. Zuvor hatte er versucht den Anker einzuholen,den er versehentlich ins Meer hatte fallen lassen. Darüber hinaus hatte er sich in dem Tau verfangen und wäre beinahe über die Reling gestürzt. Nachdem er in der Anrichte sämtliche Kartoffeln zu Kleinholz verarbeitet hatte und um ein Haar vom Mast gefallen wäre, als er ein Segel einholen sollte, hatte man ihm aufgetragen, das Deck mit Meerwasser abzuschrubben, um niemandem im Weg zu sein.
Auch die anderen waren mit ihren Aufgaben beschäftigt. Alfard hatte die ehrenvolle Aufgabe erteilt bekommen, über das Steuer zu wachen und Seth reparierte kleinere Schäden an der Reling.
Hakon setzte sich neben Ewan auf ein Fass und zündete sich eine Pfeife an. Mit zufriedenem Gesicht blickte er auf das Meer hinaus.
„Ich sage dir, Junge, diese Braßfahrt lässt das Herz eines jeden Seemanns höher schlagen!“
Ewan sah von seiner Arbeit auf und starrte den Matrosen fragend an. „Braßfahrt bedeutet, dass wir sehr schnell vorankommen“, erklärte dieser ruhig. Er war es inzwischen gewohnt, dem Knappen alles erklären zu müssen.
Ein seltsamer Laut, der einem Ruf gleichkam, ertönte. Die Augen des Seemannes begannen zu leuchten.
„Hast du das gehört? Komm steh auf!“
Rasch erhob sich Ewan und ging hinter Hakon auf die Reling zu. Erschrocken riss er die Augen auf.
„W-Was ist das?“, fragte er mit zitternder Stimme, weshalb der Matrose lachen musste.
„Das, Kleiner, ist ein Schwarm waschechter Döglinge!“
Fasziniert starrte der Knappe auf die riesigen Fische, die neben der Sagitta her schwammen und immer wieder mit einem Sprung über das Wasser flogen. Dank ihrer gewaltigen Flossen kamen sie sogar noch schneller voran, als das Schiff. Um sie herum schäumte das Wasser weiß auf. Wieder erklangen diese seltsamen Rufe, die von dutzenden Echos gefolgt wurden.
„Durch diese Töne reden sie miteinander. Ich liebe diesen Anblick, er beruhigt einen jeden Mastrosen, denn es heißt, solange die Döglinge in der Nähe sind, wird nichts Unheilvolles geschehen.“
Ewan seufzte und blickte zu Sharon und Fellan hinauf. Auch sie hatten die großen Fische bereits bemerkt, denn die junge Kriegerin kreischte vor Entzückung auf. Der Wind ließ ihre Haare tanzen. Sie sah so glücklich aus, wie schon lange nicht mehr.
Der Knappe wandte sich lächelnd wieder den Döglingen zu, die plötzlich erschrocken in alle Richtungen davon stoben und untertauchten. Hakon kniff die Augenbrauen zusammen. Ein warnender Glanz lag in seinen Augen.
„Was soll das? Das gefällt mir ganz und gar nicht!“
„Was ist denn los?“
„Döglinge haben vor nichts Angst, weshalb sind sie also geflohen?“
Ewan starrte den Matrosen an, als das Schiff auf einmal abrupt zum Stehen kam. Es knirschte laut und ein Ruck ging durch das Holz. Ewan und Hakon konnten sich nur mit Mühe auf den Beinen halten. Dann hörte der Knappe Schreie und sah, wie Sharon vom Mast hing.
„Verdammt!“, schrie Hakon. Nach einander kamen alle anderen Matrosen an Deck.
„Wir stehen back!“, schrie jemand. Ewan erkannte am Segel, dass der Wind von der falschen Seite einfiel. Gwen, was soll das, dachte er. Dann fiel sein Blick zufällig auf die Meeresoberfläche, als sich darunter plötzlich ein riesiger schwarzer Schatten bewegte, der gut doppelt so groß war, wie das Schiff selbst.
„Hakon!“
Der Matrose wandte sich ihm zu. Sein Blick folgte dem ausgereckten Finger des Knappen und die Augen weiteten sich vor Schreck. Mit zitternder Stimme rief er:
„Beim Klabautermann! Ein Krake!“
Ewan wirbelte herum. Was zum Teufel war ein Krake?
Er sollte es noch im selben Moment erfahren. Ein riesiger Arm stieß direkt aus dem Wasser und legte sich auf den Rumpf des Schiffes, das sich dadurch gefährlich zur Seite neigte und die Reling krachend zersplittern ließ.
Seth, der gerade noch beiseite gesprungen war, schrie wütend auf.
„Du Monster! Weißt du wie viel Arbeit mich das gekostet hat?“
Ein Dröhnen ertönte, ein weiterer Arm kam aus dem Meer geschossen. Die Matrosen hatten sich inzwischen alle bewaffnet und gingen nun mit Speeren und Knüppeln auf die beiden Arme los.
„Ewan, fang!“, rief Alfard, der kurzerhand in die Schlafkoje gerannt war und sein Steuer Ganford überlassen hatte. Nun kam selbst Käpten Jakar aus seiner Kajüte und schrie Anweisungen. Der Knappe riss sein aufflammendes Schwert aus der Scheide und rannte entschlossen mit erhobener Waffe auf einen der Arme zu.
Hakon starrte ihn überrascht an, als er mit einem sauberen Hieb den Arm abtrennte und noch ein gutes Stück des Fleisches verbrannte.
„Mein lieber Scholli! Was ist das für ein Junge?“
Ewan ließ sein Schwert sinken, als das Schiff plötzlich angehoben wurde und es ihn von den Füßen riss. Ein lautes Knacken ließ ihn entsetzt hinaufsehen. Sharon, Gwen! Der Mast stürzte langsam aber unaufhaltsam auf das ohnehin schon ramponierte Deck, während Ewan vergeblich nach den beiden Kriegerinnen Ausschau hielt.
„Ungh!“, entfuhr es ihm, als er von etwas getroffen zur Seite gefegt wurde und gegen die Reling knallte. Benommen blieb er liegen.
Als Gwen erkannte, von was sie da angegriffen wurden, verfluchte sie sämtliche Personen, die sie kannte.
„Ihr verdammten Trottel!“
Wütend sprang sie aus dem Mastkorb und fiel die wenigen Meter auf den Quermast, wo sie ihren Sturz elegant auffing. Sie sah sich um und entdeckte Sharon, die sich nur mit Mühe an dem Balken festhalten konnte, während ihre Füße haltlos in der Luft baumelten.
Einen Moment war Gwen unentschlossen, dann balancierte sie zu ihr und packte ihre Handgelenke.
„Gwen! Dem Himmel sei Dank, endlich kommt jemand!“
„Wo ist dein neuer Freund?“, fragte die Kriegerin, als Sharon wieder fest auf dem Balken stand. Diese verzog das Gesicht. „Fellan? Der hat sich bei dem kleinsten Anzeichen der Gefahr aus dem Staub gemacht! Dieser Feigling!“
Es rumpelte. Auf einmal neigte sich der Mast zur Seite. Entsetzt starrten die Frauen sich an.
„Er bricht ab!“
Immer wieder kam ein unheimlich wütendes Dröhnen aus der Tiefe unter der Sagitta. Der Krake hielt das Schiff in seinem unerbittlichen Armen ohne auch nur eine Sekunde nachzulassen. Wie ein brutales Kind, das sein Spielzeug zerschmetterte, spielte auch dieses Ungetüm mit dem großen Holzkasten, indem die aufgescheuchten Matrosen wie eine kleine Ameisenarmee umherirrten. Der große Hauptmast war inzwischen längst abgeknickt, wie ein dünnes Streichholz. Das Geschrei der Seemänner war weit über das Wasser zu hören. Den Kraken interessierte das nicht sichtlich. Offenbar mit großer Hast versuchte das Ungetüm seine Aufgabe zu erledigen, bis ihn jedoch der Hunger übermannte.
Ewan blinzelte und war im nächsten Moment wieder hellwach. Ohne zu überlegen packte er sein Schwert und sprintete zum Mast, der halb im Meer gelandet war. Da erschall wieder das laute Dröhnen und ein weiterer Arm bohrte sich direkt vor dem Knappen aus dem Boden, durchlöcherte so das Schiff.
Erschrocken taumelte er zurück und wurde von Alfard aufgefangen.
„Wir haben keine Chance, los ins Beiboot!“, rief der Elb, doch Ewan wehrte sich.
„Wo sind die anderen?“
Alfard hielt ihn fest im Griff. „In Sicherheit.“ Aber der Knappe glaubte ihm nicht und versuchte sich aus seinem Griff zu entwinden, als sich der Elb plötzlich versteifte.
„Lass mich los… He, was ist?“
Er wurde fortgestoßen, wirbelte aufging. Noch im selben Moment wurde ihm bewusst, dass er diesen ungleichen Kampf verlieren würde. Sein Feuer hatte gegen ein Geschöpf des Wassers keine Chance, schon gar nicht gegen eines dieser Größe.
Dennoch stürzte er sich mit wildem Schrei auf einen suchjedoch sofort wieder herum und was er sah, ließ sein Herz für einen Moment in die Hose rutschen.sich zu befreien, während er langsam vom Boden abhob. Sofort wurde ihm schwindelig und er drohte in Ohnmacht zu fallen. Eine seiner Rippen brach, als wäre er im Wald auf einen vertrockneten Zweig getreten. Nur mit Mühe hielt er sein Schwert fest, seine Gedanken überschlugen sich. Er dachte nicht daran, sich mit der Klinge zu befreien.
Alfard war zur Seite gehechtet und hatte sich so im letzten Moment vor einem riesigen Arm retten können, der wild auf das Deck schlug und die Dielen zerbrach. Wütend schnappte der Arm nach einem Matrosen, der kreischend in die Luft gehoben wurde und im Meer verschwand.
Die Arme des Monsters waren nun überall und legten sich um das durchlöcherte Schiff, das sie erst wieder freigeben würden, wenn kein Leben mehr darauf herrschte.
Ewan hob zitternd sein Schwert, das sofort in Flammen enden Arm, der mit riesigen Saugnäpfen gespickt war. Ihm entfuhr ein kurzer Schrei, als sich das feste Fleisch um seinen Körper legte und ihm die Luft aus den Lungen presste. Ewan keuchte und versuchte
Auf einmal platschte er ins Meer und riss erschrocken die Augen auf. Als er versuchte Luft zu holen, verschluckte er Unmengen des salzigen Wassers. Eine grässliche Fratze mit kleinen Augen, die böse funkelten und ihn schadenfroh betrachteten, kam näher und öffnete plötzlich das Maul. Der Arm beförderte Ewan geradewegs in eine, von rasiermesserscharfen Zähnen gespickte, Höhle hinein. Er hatte nicht einmal die Zeit zu realisieren, was gerade geschah.Alfard sprang wieder auf die Beine und sah gerade noch, wie der Junge vom Meer verschluckt wurde.
Verdammter Trottel! Er verfluchte Ewan mit allen, ihm bekannten Flüchen, doch noch bevor er etwas für ihn tun konnte, hatte ein weiterer Arm ihn vom Deck gefegt. Mit lautem Platschen klatschte er direkt neben dem Beiboot, in dem der Magier, die beiden Kriegerinnen, Fellan und einige weitere Matrosen saßen, ins Wasser.
Sofort waren ein halbes Dutzend Hände da, die ihm halfen.
„Wo ist Ewan?“, fragte Gwen sogleich. Alfard schlug die Hände über dem Kopf zusammen.
„Gefressen.“
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2. Ewan - Schicksalswege
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Sechs Jahre sind vergangen, seit dem Krieg gegen die Magier. Ewan wurde zum Ritter geschlagen und beschließt, das geheinmisvolle Land der Elfen und Dämenen, Kanesill, zu bereisen.
Dort herrscht ein jahrhundertlanger Krieg, in dem er selbst die entscheidende Rolle spielen soll. Eine uralte Prophezeiung besagt, er sei der einzige, der dem Dämon Exorios töten und somit den Krieg beenden könnte.
Da Ewan sowieso noch eine Rechnung mit dem Magier Ingwat offen hat und seiner verlorenen Liebe, der Verräterin Gwen, nachtrauert, macht er sich mit erwählten Gefährten auf den Weg ins Schattenreich.
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Der Wald lag ruhig da. Kein Lüftchen regte sich, kein Vogel zwitscherte, die Bäume standen still und unheimliche Silhouetten werfend da, als wären sie Wächter irgendeiner Wichtigkeit. Der Große Mond prangte hell am Himmel, als gleißender Ball, der seine Strahlen durch die dichten Kronen der Bäume auf den moosbedeckten Waldboden warf, auf dem eine kleine Maus ihr Fell sauber leckte.
Plötzlich hob das Nagetier das Köpfchen und schnupperte in die eisige Luft. Die Schnurrhaare bebten und im nächsten Moment sprang die Maus panisch davon.
Sekunden der Ruhe herrschten. Ein Fremder hätte diesen Wald gemocht. Trotz der Stille, die des Nachts zu herrschen schien, war er doch voller Leben. Geübte Ohren konnten die Bäume wispern hören und Magie pulsieren spüren. Blätter hingen voller Leben an ihren Ästen, ebenso wie die dichten Farne am Boden, die sich im Wind bewegten, der hier nur selten schwieg. So wie in dieser Vollmondnacht.
Kaum eine Wolke wagte es, sich vor den strahlenden Ball zu schieben und wenn sie es tat, verdunkelte sich das Land und ein unheimlicher Schatten bedeckte die Wälder, Wiesen und Dörfer. Es war eine besondere Nacht. Die einzige im Jahr, in welcher der Große Mond den Kleinen gänzlich verdeckte. Am nächsten Tag würde der Große Bruder den Kleinen wieder in die Freiheit entlassen. Nächte wie diese waren Nächte des Schicksals. Jedes bedeutsame Datum in der Geschichte Kanesills war geprägt durch diese Brüderfinsternis.
An einer hell erleuchteten Lichtung huschte die Maus so schnell sie konnte durch das silbern glänzende Gras. Das kleine Herz des Tieres raste vor Angst, als ein großer Schatten sich über sie legte. In einem letzten Satz durch die Luft wurde sie gepackt und in die Höhe gehoben. Stark und gleichgültig schloss die Waldeule ihren Schnabel. Sie genoss das Gefühl der brechenden Knochen ihres Mahles.
Als wäre dieser Tod ein Vorbote gewesen, drangen Geräusche zwischen den Bäumen hervor. Ein Keuchen, ein Fluchen in einer fremden, für Menschen unverständlichen Sprache.
Mit lautem Krachen stolperte ein Elb auf die Lichtung. Er fiel zu Boden, rappelte sich wieder auf, nur um mit einem gehetzten Blick zurück erneut zu fallen.
„Verdammt!“
Sein langer Umhang blieb an einem Dornenstrauch hängen und zerriss. Mit einem weiteren Fluchen befreite der Elb sich von seiner Last und begann, den Bäumen geschickt ausweichend, durch den Wald zu rennen. Sein zerzaustes Haar flatterte hell leuchtend um die gespitzten Ohren. Sein anmutig geschnittenes Gesicht war vor Anstrengung verzerrt.
Die hohen Stiefel aus dunklem Wildleder verursachten kaum Geräusche auf dem weichen Boden, wohingegen eine lange Schwertscheide immer wieder scheppernd gegen die Hüfte des Elben schlug. Er rannte so schnell, dass die Bäume an ihm vorbei zu rasen schienen, doch er war nicht schnell genug, um die blutrünstigen Verfolger abzuschütteln.
Ein Röcheln, wie von einem Hund, erklang direkt neben ihm. Mit einem kurzen Blick seiner scharfen Augen erkannte er den blutdurstigen Schwertschleicher zwischen den Bäumen.
„Na los, greif an, du Bestie! Ich reiße dich in Stücke!“, rief er, doch der Schwertschleicher, der nicht wie sonst auf zwei, sondern auf vier Beinen sprintete, stieß nur ein ohrenbetäubendes Jaulen aus. Im nächsten Moment war der Wald erfüllt vom Knurren der wolfsartigen Bestien, die gezüchtet wurden, um zu jagen und kaltblütig zu morden. Ihre Größe glich ungefähr der eines Menschen, doch gingen sie halb gebeugt. Ihre dünnen Körper waren mit aschfarbenem Fell bewachsen, die Hinterläufe glichen exakt denen eines Raubtieres. Die langen dünnen, zu einer Schnauze verjüngten, Gesichter waren hassverzerrt und die gelben Augen leuchteten gelb vor Blutdurst. In ihren menschlichen Händen hielten sie normalerweise schartige Kurzschwerter, doch in dieser Nacht kämpften sie mit der blanken Wildheit ihrer Krallen und Fangzähne.
Der Elb stieß einen Schrei aus, als er von der anderen Seite zu Boden geworfen wurde. Scharfe Krallen bohrten sich tief in seine Schulter. Blut spritzte aus der Wunde, als die beiden Kämpfenden sich auf dem Boden herumrollten.
Der Elb wurde auf den Rücken geworfen, als, wie aus Geisterhand, ein einfacher Dolch in seiner Hand erschien. Nur Sekunden später lag der Schwertschleicher mit aufgeschlitzter Kehle am Boden, während der Dolch die Brust eines heranspringenden Angreifers traf. Im nächsten Moment erschien eine blitzende Klinge in seiner Hand, die er mit solcher Geschwindigkeit schwang, dass man seinen Bewegungen kaum folgen konnte. Wie ein Blitz zuckte das Schwert mal hier, mal dort hin und jedes Mal übergab er einen weiteren Schwertschleicher in die Hände des Totengottes, welcher im Schatten des Blätterdaches seine Opfer in Empfang nahm.
Doch es waren zu viele. Mit einem Mal wurde der Elb von allen Seiten angegriffen. Er wusste sich kaum mehr zu wehren. Lange Zähne bohrten sich in sein Bein, weshalb er vor Schmerz einknickte. Kurz darauf streiften scharfe Krallen seine Schläfen. Blut lief in kleinen Rinnsalen über sein Gesicht.
Mit einem wütenden Schrei riss er sein Schwert in einem Bogen herum und köpfte mit einem Schlag drei Schwertschleicher. Beinahe leichtfüßig sprang er auf und wütete wie ein Sturm im Kornfeld zwischen den Angreifern, bis keiner mehr übrig war, um ihm das Leben nehmen zu können.
Erschöpft ließ der Elb sein Schwert sinken und starrte auf die pelzigen Leichen zu seinen Füßen. Etwas tropfte ihm ins Auge. Abwesend hob er eine Hand zu seiner Schläfe. Es überraschte ihn nicht, dass sein Gesicht blutüberströmt war. Jetzt erst bemerkte er eine tiefe Wunde an seiner Seite. Keuchend zuckte seine Hand dorthin, als ihn plötzlich ein heller Blitz blendete: „Reowys!“
Er sah sich um. Wer rief ihn da? War er tot?
„Reowys!“
Der Elb blinzelte. Er lag auf dem Rücken. Wo wusste er nicht, doch über ihm war der Himmel. Es war helllichter Tag. Weiße Wolken trieben im Wind. War da ein Gesicht?
„Reowys!“
„Was wollt Ihr von mir?“
Das Gesicht kam näher. Es war das eines jungen Mensches. Wer war er und was suchte ein Mensch in Kanesill?
„Ich brauche deine Hilfe.“
„Wobei?“
„Um die Prophezeiung zu erfüllen.“
Die Prophezeiung! Reowys wollte den Kopf schütteln, konnte sich aber nicht regen. Er, obwohl Elb, hatte schon viel von dieser Prophezeiung gehört, auch wenn er den genauen Wortlaut nicht kannte.
„Reowys, ich brauche deine Hilfe!“
„Wer bist du? Verflucht, ich lasse mich nicht überrumpeln!“
„Mein Name ist nicht von Bedeutung, du wirst mich erkennen, wenn die Zeit reif ist. Ich brauche deine Hilfe!“
„Ich habe schon verstanden!.“
Reowys schloss kurz die Augen. Er würde in die Geschichte eingehen, wenn er jetzt zusagte. Aber als toter Mann. Die Prophezeiung wollte es so.
Was würde sein Bruder dazu sagen? Vermutlich würde er ihm auf die Schultern klopfen und lachen: „Nun, Reowys, endlich hast du die Möglichkeit zu beweisen, was in dir steckt. Geh und kämpfe für unser geliebtes Kanesill!“
Der Elb öffnete wieder seine Augen.
„Ich bin bereit. Was soll ich tun, Auserwählter?“
Das Gesicht lächelte freundlich, gleichzeitig aber auch traurig.
„Komm nach Lynnon An’duin. Der Rat wird weiter entscheiden. Warte dort auf mich, wir sehen uns bald.“
Reowys keuchte. Er war wieder im Wald. Es war immer noch Nacht und er lag blutend im Moos. Zitternd stemmte er sich auf seine Knie, kroch einige Meter über den Boden und übergab sich. Dann riss er seine Kleidung in Stücke und verband seine Wunden.
Kurz darauf lag er bewusstlos auf dem Rücken.
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3. Celine Maynard - Erwachen
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Eigentlich dachte die 16-jährige Schülerin Celine, sie sei ein ganz normales Mädchen, mit ganz normalen Problemen.
Bis sie eines Tages zu der jungen Schuldirektorin Miss Greyarts gerufen wird, die ihr unglaubliche Dinge offenbart. Ihr verschollener Vater, der Forscher Owen Maynard, soll gar nicht verschollen, sondern aus einem Hochsicherheitsgefängnis ausgebrochen und auf dem Weg zu seiner Tochter sein. Sein wahres Gesicht ist das eines Killers, doch Celine findet noch weitaus Schlimmeres heraus. Vor allem spürt sie eine seltsame Veränderung an sich selbst.
Zum Glück gibt es das Sky-Kommando, einen Geheimdienst, der gegen den Terrorismus und sonderbare Fälle kämpft. Die Agenten sind mysteriös und scheinen übermenschlich. Immer tiefer wir Celine in das Gewirr dieser Organisation gesogen, bis die Dinge plötzlich eskalieren...
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„Celine, warte kurz.“
Es war Frau Schneider. Verdutzt starrte sie sie an. Noch bevor sie es aussprach, verfluchte Celine sich für ihre vorlauten Worte: „Wollen sie mich verwarnen, oder noch einmal anschnauzen?“
Frau Schneider warf der vorlauten Schülerin einen ärgerlichen Blick zu, beherrscht sich aber. Stattdessen ließ sie Celines Arm los. Diese konnte einen enttäuschten Ausdruck in den Augen ihrer Lehrerin erkennen.
„Du sollst zur Direktorin gehen“, meinte sie einsilbig.
„Aber wir haben noch Unterricht. Zwei Sportstunden.“
Frau Schneider drehte sich nicht einmal um, als sie davonging. „Jetzt.“
Celine starrte ihr hinterher. Es kam zwar öfter vor, dass sie zur Direktorin bestellt wurde, allerdings nie während der Schulzeit. Ihre Klasse war längst verschwunden. Schüler, ältere wie auch kleine Fünftklässler drängten sich an ihr vorbei. Genervt warf sie sich ihre Tasche, die sie immer noch in der Hand hielt, über die Schulter und quetschte sich entgegen der Masse durch den Gang, dessen Wände mit bunten Bildern eine Unterwasserwelt geschmückt waren, zu der schweren Glastür, die in den großen Außenhof führte. Der wirkte wie ausgestorben, obwohl man den Lärm von Innen noch immer hören konnte. Der Hof hatte die Größe eines Fußballplatzes. Asphaltiert, mit weißen Linien auf dem Boden, die als Spielfeld fungieren sollten. Ein kleines Grüppchen Oberstufenschüler stand in einer verqualmten Ecke, mit Glimmstängeln in den Händen. Bänke standen um die Spielfelder herum, manche unter Dächern, die Schutz vor Regen boten. Zwei nagelneue Fußballtore hatten ihren Platz etwas Abseits gefunden. Es war ein kleines Spielfeld, das vor zwei Jahren angelegt worden war. Man hatte dort weichen Gummiboden verlegt, um große Schürfwunden zu vermeiden.
Die Schule war eine Ganztagsschule. Zwischen jeden Stunden gab es fünfminütige Pausen, die zu Raumwechsel dienten. Nach sechs Stunden gab es eine lange Mittagspause, in der sich die Schüler ausruhen und etwas essen konnten. Danach ging der Unterricht erbarmungslos weiter. Wer irgendwelche zusätzlichen Kurse wie Sport, Fremdsprachen, Kreatives oder ähnliches belegt hatte, kam vor fünf Uhr nicht nach Hause.
Celine war in der Schulfußballmannschaft, die drei Mal die Woche trainierte. Dann traf sie sich regelmäßig mit Gleichgesinnten, um durch die Stadt zu laufen und Fotos zu schießen. Außerschulisch ging sie seit ihrem sechsten Lebensjahr in Kung Fu und würde in den Sommerferien ihren zweiten Dan, also den zweiten schwarzen Gürtel machen.
Um die Schule herum war ein Wohnviertel. Das war ungewöhnlich, denn so große Schulen wie diese wurden normalerweise abgegrenzt, um unnötige Störungen zu vermeiden.
Celine überlegte kurz, welchen Grund es für die Direktorin geben konnte, sie aus dem Unterricht zu nehmen. Sie war auch so schon sonderbar genug, denn, anders als andere Schulleiter, war sie sehr jung. Anfang dreißig schätzte Celine. Und sie kam sehr selten in die Schule. Sie wohnte im 18ten Stock des Gebäudes gegenüber der Schule. Wer Probleme hatte, musste zu ihr kommen, ansonsten konnte man sie telefonisch erreichen, oder einen Termin im Büro des Hauptgebäudes vereinbaren.
Wieso sie sich kaum blicken ließ, war ein Geheimnis, das Celine und ihre Freundinnen nur zu gerne lösen würden. Woher sollte sie auch wissen, dass sie es gleich erfahren würde?
Vor der metallischen Tür, die in das Gebäude führte, blieb sie stehen und schaute sich auf dem Schulhof um. Ein Zaun trennte das Schulgelände vom Rest der Siedlung. Alarmanlagen waren installiert, ebenso wie hunderte Kameras, aber eigentlich durfte sie das gar nicht wissen. Nur spielten ihre Freundinnen und sie gerne Sherlock Holmes. Aufmerksam studierten sie jedes neue Gelände, das sie betraten, sei es eine Disco oder ein Bahnhof, das Haus irgendwelcher Eltern oder eine verlassen wirkende Gasse.
So hatten sie auch die Schule genau unter die Lupe genommen und festgestellt, dass einige Kameras in den Ecken hingen. Vor ungefähr drei Monaten hatten sie eine noch viel interessantere Entdeckung gemacht. Als sie sich wieder einmal zu sechst in ihrem Zimmer getroffen hatten, um einen DVD-Abend zu veranstalten, waren sie über einen ausländischen Sender gestolpert, in dem die Technik der unsichtbaren Überwachungskameras erklärt wurde. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte Celine den Beweis für linsengroße Kameras, die man auf weißen Wänden unmögliche sehen konnte.
Allerdings waren beinahe alle Wände in ihrer Schule bunt angemalt und Kameras, die erst nach dem Auftragen der Farbe angebracht worden waren, waren für ein geübtes Auge gut sichtbar. Sie wussten nicht genau, wie viele installiert waren. Sicher war bloß, dass die Schüler gut überwacht wurden.
Es herrschte Totenstille. Trotz des Unterrichtes war es sonderbar. Normalerweise ging es in der Siedlung drunter und drüber. Kinder spielten schreiend auf den Straßen herum, alte Leute gingen mit ihren wohl frisierten Pudeln Gassi, Autos fuhren hupend die Hauptstraße entlang, die nur hundert Meter von der Schule entfernt war.
Sonderbar, wirklich sonderbar.
Achselzuckend öffnete Celine die Tür und kehrte der verlassenen Straße den Rücken. Als die Tür laut hinter ihr zuknallte, fühlte sie sich plötzlich ganz unwohl. Als würde ihr etwas die Kehle zu schnüren, sei es die Stille oder das gedämpfte Licht.
Achtzehnter Stock, na toll, der Lift war mal wieder im Eimer. Wieso schafften es diese Handwerker nie, einen so notwendigen Lift unter Kontrolle zu bekommen? Wie sollten die armen alten Leute die ganzen Treppen hochsteigen, vor allem aber, warum musste Celine immer diese verdammten zweihundertvierundzwanzig Stufen erklimmen, als wäre sie ein unermüdlicher Bergsteiger!
Naja, dachte sie, wahrscheinlich war es ein passender Ersatz für ihre beiden verlorenen Sportstunden…
Ihre Schritte klangen seltsam leer, während sie ihre Beine immer wieder in monotoner Reihenfolge hob und senkte. Nachdenklich sah sie zu der eleganten Glastür, die zum Zwischenbalkon führte. Die Hälfte war also geschafft. Ihre Hand legte sich instinktiv um das kalte Metall des Griffes. Langsam drückte sie ihn hinunter und öffnete die Tür. Ihre Tasche verrutschte ein wenig. Routinemäßig zuckt ihre rechte Schulter nach oben, sodass der Ranzen wieder in seine vorherige Position rutschte.
Kurz stellte sie sich an das Geländer und schaute auf ihre Schule hinunter. Der gesamte Komplex war riesig. Bis zu dreitausend Schüler aller Altersgruppen wurden unterrichtet. Die meisten von ihnen wohnten in dem internatsinternen Bereich. Nur diejenigen, deren Eltern in der Nähe lebten, fuhren täglich mit dem Bus hierher.
Mit einem Seufzen drehte Celine sich wieder um, als sie urplötzlich einen brennenden Schmerz an ihrer Schulter spürte. Der Ranzen fiel ihr von der Schulter und prallte mit einem dumpfen Geräusch auf den Boden.
„Argh!“
Vor ihr stand ein alter Mann mit blutunterlaufenen Augen. In seiner Hand hielt er ein kleines, aber höllisch scharfes Taschenmesser, mit dem er ihr gerade die Haut aufgerissen und den Träger ihrer Tasche durchtrennt hat.
„H-Hallo, geht’s noch?“, stotterte sie erschrocken. Ein Irrer! Der Mann legte den Kopf schief und grinste sie an. Celine blinzelte. Bildete sie es sich nur ein, oder hatte er tatsächlich Reißzähne? Und waren seine Pupillen wirklich rot? Mit einer plumpen Bewegung stach er mit dem Messer nach ihr. Geschickt wich sie aus, drehte sich schnell und trat ihm instinktiv mit voller Wucht in die Rippen. Sie hörte es Knacken. Übelkeit kam in ihr auf, während sie zitternd auf den, sich vor Schmerz krümmenden, Mann hinunter sah.
„S-Sie sind verrückt!“, murmelte sie verstört. Der Alte warf ihr einen hasserfüllten Blick zu, griff nach seinem Messer und warf es in ihre Richtung. Celine duckte sich, schnappte ihre Tasche und haste zur Tür, die in das zweite Treppenhaus führte. So schnell sie konnte rannte sie die Treppen hoch, stolperte, rannte weiter. Bis sie vor der Tür der Direktorin stand, brannten ihre Lungen wie Feuer und ihre Seite stach, als hätte man ihr ein Messer reingerammt.
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4. Goldener Vogel
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Targo hüpfte auf ihren Stein und setzte sich neben sie, die Beine baumeln lassend. Ohne zu Zögern legte er seinen Arm um sie. Er war warm.
„Weißt du Eve, mit dir macht das Leben richtig Spaß. Erst von dir habe ich gelernt, was es wirklich bedeutet. Irgendwann werden wir von dieser verfluchten Insel fliehen und woanders einen Neuanfang wagen, ja? Nur wir beide, du und ich.“
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Doch alles sollte anders kommen. Eve, das Straßenkind, muss tatenlos zusehen, wie ihr Dorf von Piraten überfallen wird und den gehässigen Flammen des Schicksals zum Opfer fällt. Der Sohn des Gouvaneurs der Siedlung und ihr einziger und bester Freund Targo wird entführt und vierzehn Jahre vergehen, bis sich die beiden an einem verheißungsvollen Tag wiedersehen. Inzwischen ist Eve der Kapitän einer kleinen Piratenmannschaft und rettet den berüchtigtsten Piraten der Karibik, Targo, vorm Strick.
Zusammen erleben sie das Abenteuer ihres Lebens, denn ein bedeutungsschwerer Schatz, von der englischen Regierung verzweifelt gesucht, winkt mit der unglaublichen Belohnung seinen Finder von allen Missetaten loszusprechen.
Das Verhältnis zwischen Eve und Targo ist längst nicht das harmonische ihrer jugendlichen Tage, doch sie schaffen es sich zusammenzuraffen, bis ein unvorhergesehenes Ereignis sie erneut auseinander reißt und scheinbar für immer trennen soll, denn Eves wahre Herkunft wird auf dramatische Art und Weise enthüllt…
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