Mit Magie und Metaphern
„Ich bin die Einzige, die wirklich an mich geglaubt hat“


IM BANN der Magier: die fünfzehnjährige Veronika Serwotka aus Darmstadt mit ihrem ersten Buch. (Foto: Günther Jockel)

Fee Berthold
10.1.2008

 

DARMSTADT. Sie spielt Fußball, verschlingt Bücher, die im Mittelalter spielen, begeistert sich für Ritter. Sie besucht die 10. Klasse des Albert-Einstein-Gymnasiums in Groß-Bieberau, und ihr Lieblingsfach ist Deutsch. Vor ihren Freundinnen hat sie keine Geheimnisse.

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Veronika Serwotka ist ein ganz normales 15 Jahre altes Mädchen – und sie hat einen Fantasyroman geschrieben, den es seit vier Wochen zu kaufen gibt. „Ewan – Im Bann der Magier“ heißt das Buch, das im Verlagshaus Schlosser erschienen ist.

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Angefangen hat alles mit einem mütterlichen Rat. Veronika sollte ihre Rechtschreibung verbessern. Ihre Mutter, die aus Polen stammt, forderte sie auf, mehr zu schreiben, um weniger Fehler zu machen. Veronika, damals erst 13, setzte sich daheim in Darmstadt an den Familiencomputer und tippte los.

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„Ich habe gemerkt, dass mich das Scheiben voll in den Bann zieht“, sagt sie heute. „Sie hat am Anfang nur Wirrwarr geschrieben“, sagt ihre 15 Jahre ältere Schwester Monika und lächelt. Nach der ersten Lektüre hat Monika Veronika erklärt, dass sie einen roten Faden für die Geschichte brauche.

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Fortan sprudelten die Ideen nur so auf das Papier. Wie aus dem Nichts baute sich in Veronikas Fantasie eine eigene Welt auf. Veronika nahm den Computer so in Beschlag, dass ihre Eltern ihr zu Weihnachten ein eigenes Laptop schenkten.

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Nach eineinhalb Jahren sagte Veronika entschlossen: „Ich bin fertig, ich schicke das Manuskript jetzt an einen Verlag.“ Für eine Fünfzehnjährige formuliert sie erstaunlich geschliffen. „Ich bin die Einzige, die wirklich an mich geglaubt hat“, sagt sie stolz.

Und in der Tat gehört eine Menge Mut und eine große Portion Selbstbewusstsein dazu, sich an einen Verlag zu wenden. „Schreiben gehört einfach zu meinem Leben, ich möchte es nicht missen“, stand in ihrem Anschreiben an den Verlag.

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1400 Euro kostete die Veröffentlichung im Verlagshaus Schlosser, Veronikas Opa hat das Geld gesponsert. Jedes Buch, das verkauft wird, bringt ihr zehn Prozent des Kaufpreises ein.

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„Ewan – Im Bann der Magier“ hat Veronika zwar alleine geschrieben, mitgeholfen hat aber die ganze Familie: Schwester Monika war die beste Kritikerin, hat den Text redigiert, Opa hat finanziell unterstützt, und die Mutter hat sie animiert, weiter zu schreiben. „Inhaltlich hat mir aber keiner was zu sagen“, sagt Veronika freundlich, aber bestimmt.

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Im Roman dreht sich zwar alles um den Knappen Ewan, der Ritter werden will und durch vier Prüfungen seine entführten Freunde aus dem Bann der Magier reißt, dennoch gibt es viele starke Frauenfiguren. Im Roman lassen sich Frauen zu Ritterinnen ausbilden. „Sie lernen dort Kriegskunst, aber auch höfisches Verhalten.“ Und Held Ewan wäre ohne Gwen, mit der er zarte Bande knüpft, nur halb so erfolgreich.

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Veronikas Sprache ist sehr blumig und zeichnet sich durch viele Metaphern aus. Einen Morgen beschreibt sie folgendermaßen: „Ein warmer Wind wehte durch das Land und lieferte sich verspielte Kämpfe mit den fröhlich zwitschernden Vögeln.“ Nach dem Abitur möchte Veronika Drehbuchautorin werden.

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Mittlerweile sind mehrere Lesungen mit der jungen Autorin geplant – unter anderem in einer Schule in Eberstadt. Ihren Klassenkameraden hat Veronika Serwotka im Unterricht ihr Buch schon vorgestellt. Momentan schreibt sie an der Fortsetzung.

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Das schönste Kompliment hat ihr übrigens Schwester Monika gemacht. Stolz sagt sie: „Ich hätte nie gedacht, dass meine kleine Schwester mich durch ihre Geschichte zum Lachen und zum Weinen bringen kann.“ 


Ewan-Im Bann der Magier:
ISBN: 978-3-939783-40-4